300 Jahre Freimaurerei

freimaurerische Sehnsucht
13. September 2017
Gedanken
13. November 2017

300 Jahre Freimaurerei

25 a JL „Zur Wahrheit“ in Prenzlau

300 a Freimaurerei in Europa (exakt 1717)

Mehr als 275 a FM in Deutschland (1740)

25 a Wiedergründung der JL „Zur Wahrheit“ (vor mehr als 220 a, also 1796 gegründet/gestiftet)

25. Todestag/-jahr von Willy Brandt, einem Europäer, einem Dialogsucher

25 a bin ich in der öffentlichen Verwaltung, davon bald 10 a in Eberswalde, das gehört zwar zum Barnim, aber ist ganz nah zur Uckermark, und sogar in einem Wahlkreis mit Prenzlau vereint.

(Ich bin) 15 a als Freimaurer aktiv.

Ich bin seit 2016 Meister vom Stuhl der JL „Zum Leoparden“ in Luckau, das ist im südlichen Brandenburg. In unserem Sprachgebrauch würde man wohl sagen, wir sind „Schwesterloge“ der Prenzlauer Loge „Zur Wahrheit“.

Fast vergessen: 55 Jahre bin ich Berliner. Vor genau 60 Jahren wurde Willy Brandt Berlins Bürgermeister.
Das ist die Wahrheit!

„Ich setze auch künftig auf ein Miteinander, den Dialog, den Austausch und auf Diskussionen, die sachlich geführt werden und bei denen es letztlich immer um die Menschen in unserer Stadt geht“, sagt der wiedergewählte BM Hendrick Sommer im September 2017.
Ein besseres Stichwort, eine bessere Vorlage, hätten Sie mir, sehr geehrter Herr Bürgermeister, nicht geben können.

Ja, um 1700 gab es bereits Menschen, die selbständig haben denken können. Die trafen sich heimlich in Hinterzimmern von Kneipen, weil diese Form des respektvollen Miteinanders wohl eher verdächtig war. Bis sich dann vier Freimaurerlogen tatsächlich 1717 in einem Londoner Gasthof namens „Gebratene Gans“ zu einer Großloge zusammenschlossen. Sie gaben sich gemeinsame Statuten und Regelwerke. Sie führten ein verbindliches Ritual ein, auf das wir heute noch im Wesentlichen zurückgreifen. Das Ritual ist ein Dialog zwischen drei Brüdern Freimaurern, die ethische Fragen oder Erläuterungen zu den Symbolen im Freimaurertempel behandeln. Die Briten exerzieren diese Rituale heute noch ohne Textbuch, allein auswendig gelernt. Die Preußen erlaubten ihren Mitgliedern Ritualbücher, in die wir heute noch bei Konzentrationsschwächen hineinschauen dürfen. Das Ritual schafft die äußere Ordnung, damit wir nach innen schauen können. Ein Lehrbuch gibt es bis heute nicht.

Ja, nach 300 a Freimaurerei darf ich etwas Staub von der Oberfläche wischen. Man darf darüber reden und diskutieren, ob das was vor 300 a „richtig“ war, heute gleichermaßen relevant und bedeutsam sei. So möchte ich in einem Schnelldurchlauf ein wenig Geschichte der Freimaurerei „beleuchten“. Denn unter der Oberfläche befindet sich noch heute der Hauch des Geheimnisvollen und Spekulativen.

Was verstehen wir denn unter Wahrheit? Was verstehen Sie darunter? Was heißt das in Zeiten der Meinungshoheit der Medien, die uns sekündlich die neuesten Wahrheiten verkünden? Historisch gab es nur zwei Institutionen, die uns die Wahrheit verkündeten. Das war zunächst die Kirche, die allein das „rote Telefon“ zum Allmächtigen Baumeister aller Welten bedienen konnte. Dann war es der jeweilige Herrscher eines Staates, der wusste, was seinem Volke gut tut, was seinem Steuersäckel Wachstum brachte. Von Parlamenten und Gewaltentenlung noch lange nicht die Rede…
Die Hoheit über die Wahrheit, die Deutungshoheit, war ein Privileg. Sie diente vor allem dem Besitzer zum Vorteil. Sie erleichterte den Menschen das Denken. Sie bot Antworten.
Vielleicht kann man es so vergleichen: Wahrheit verkünden, ist relativ einfach mit einer inneren Überzeugung, die sich mehr auf den Glauben daran stützt als auf Objektivität oder Fakten. Hingegen suchen wir Freimaurer nach der Wahrheit, die eine höchst subjektive sein kann.

Wahrheit kann unangenehm sein. Und manche nehmen es heute mit der Wahrheit nicht ganz genau. Die sogenannten Fake-News, also die „fiktiven Wahrheiten“ verunsichern uns, werden zur Meinungsbildung missbraucht und benötigen einen aufgeklärten Umgang mit ihnen. Abfällig und pauschal werden inzwischen die Medien von Manchen als „Lügenpresse“ bezeichnet. Das dürfte allerdings nur ein Teil der Wahrheit sein.

Nicht zufällig war im 18. Jahrhundert eines der ersten Nachschlagewerke, die französische Enzyklopädie, ein aufklärerisches und zutiefst „verdächtiges“ Werk, maßgeblich von Freimaurern verfasst und herausgegeben (Diderot und D´Alembert). Hier wurden wissenschaftliche, aber gleichermaßen handwerkliche Kenntnisse dokumentiert und gegenübergestellt. Hiermit wurde das Monopol der „allwissenden“ Kirche(n) oder/und das der Herrscher infrage gestellt. Heute gibt es „Wikipedia“, ein jedermann zugängliches Werk ohne Zensur, das aber ein Vor- und Zurückblättern zu verwandten oder ähnlich klingenden Begriffen nicht ermöglicht. So kann man nicht ohne weiteres zwischen Wahrheit und Wahrhaftigkeit unterscheiden. Eine tiefgründige, philosophische Erörterung bleibt aus, weil es ja keinen Wettbewerb gibt, um Wahrheit zu ringen. Begreifen fällt schwer!

Die Freimaurer sind eher auf der Suche nach Wahrhaftigkeit, Authentizität, Ehrlichkeit und gleicher Augenhöhe. Vielleicht auch nach wahrhaften Gefühlen und nicht allein schnellem Vergnügen, oberflächlichem Genuss, …

Nachdenklichkeit bekommen wir in der Schule nicht mehr vermittelt. Die Schüler bekommen Ethikunterricht, was besser sein soll, als sich mit den alten Griechen herumzuplagen und „tote Sprachen“ zu lernen. Im Zeitalter der digitalen Hirn-Speicher schafft ein Schüler das Abitur heute schon in 12 Jahren. Ich war zu blöd und habe es erst in 13 Jahren geschafft. Ich habe meine Regelstudienzeit weit überschritten, weil mich andere Dinge interessierten, für die ich heute keine Zeit mehr habe.

Zeit, Lebenszeit, Arbeitszeit, Freizeit. Wir reden von „Burnout“ und „Mobbing“; aber wie haben sich die Menschen in früheren Jahrhunderten gefühlt in einer Sieben-Tage-Arbeitswoche?

Die Beendigung der Leibeigenschaft, die Freiheit zu denken, die sinnvolle, selbstbestimmte Einteilung der Zeit, wollten erst erlernt werden. Aber wer wollte schon zugeben, dass er die Welt nicht mehr versteht, dass ihm keiner mehr sagte, was er tun oder lassen sollte, wie er seine Werke gewinnbringend auf einem unüberschaubaren Markt veräußern sollte? Heute noch gieren wir nach der uns fehlenden Zeit, obwohl der Tag weiterhin 24 Stunden hat!

Ja, letztlich hat es bis ins 20. Jahrhundert gedauert, in Europa einen so lang anhaltenden Frieden zu schaffen. Verfeindete Staaten gaben sich erst in den 1950er Jahren die Hand. Sie gaben bestimmte Vorteile für sich auf.
Wir Freimaurer in Deutschland können dankbar sein den Westalliierten Freimaurern, den Franzosen, Briten und Amerikanern, dass bereits wenige Jahre nach Kriegsende die Freimaurerei hier wieder aufleben konnte. Im Osten der Republik wurde die Freimaurerei zwar nicht verboten, aber gemäß des „Philosophischen Wörterbuches der DDR“ (Ausgabe 1976) war sie nicht mehr zeitgemäß. „Als Teil der Aufklärung vermochte die Freimaurerei in der Vorbereitung der bürgerlichen Revolution und bei der Herausführung der Menschheit „aus ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit“ (Kant) eine progressive Rolle zu spielen; auf starren, wandlungsunfähigen Denknormen aufgebaut, war sie jedoch bereits im 19. Jahrhundert historisch überlebt.“
Die Renaissance benötigte also in den „Neuen Ländern“, im Osten unserer Republik, bis in die 1990er Jahre.

Was war geschehen?
Da gab es in den 1930er Jahren einen Herren mit markantem Oberlippenbart, der es schaffte, die Freimaurer zu diffamieren und schlussendlich zu verbieten. Nach seiner Wahrheit paktierten sie mit den Juden und bereiteten die Weltverschwörung gegen seine Weltherrschaft vor. Wenn man bedenkt, dass bis Ende der 1920er Jahre fast einhunderttausend Freimaurer in Deutschland registriert waren, hat er „gute Säuberungsarbeit“ geleistet. Wenn wir heute von rund 14.000 Brüder Freimaurern in Deutschland sprechen, wird deutlich, wie lange diese sogenannte „Dunkle Zeit“ noch nachwirkt, wie schwer es heute noch ist, für Aufklärung, Toleranz und Mitmenschlichkeit zu sorgen und zu werben. Es ist eine mühsame Arbeit, es ist eine freiwillige. Das ist das Merkwürdige daran. Niemand sagt uns, was wir zu tun haben. „Finde es selber heraus“, das ist der zeitlose Auftrag jedes Freimaurers. Jeder wird nach seinen Fähigkeiten um sich schauen und beginnen, nach Vorbildern zu suchen, um einmal selbst Vorbild zu werden.

Es ist ein Leichtes, anderen vorzuhalten, was sie alles tun oder lassen sollten. Der moralische Zeigefinger ist schnell erhoben, die Empörung über das Fehlverhalten prominenter Zeitgenossen wächst exponentiell. Aber der Kant´sche Imperativ gilt heute und künftig immer noch. Das Urteilen sollte sich vor allem auf einen selbst beziehen, der Anspruch und der Ansporn, sich selbst zu erziehen und weiterzuentwickeln.

Wie weit wir fürsorglich, mitmenschlich agieren, ist jedem selbst überlassen. Wir nennen es Caritas. Und es fängt mit Fragen an:

  • Würden wir einen Obdachlosen von der Straße mit nach Hause nehmen und ihn beköstigen?
  • Würden wir in die Bahnhofsmission gehen und (einfach nur) 2-3 Stunden dort „helfen
  • Würden wir lieber nur unser Gewissen beruhigen und eine „saubere“ Überweisung an einen glaubwürdigen Verein oder eine Stiftung ausfüllen mit einem das Gewissen „reinigenden“ Geldbetrag?
  • Ich hatte früher einen „Lieblingsobdachlosen“ (mit Hund). Ich vermute, er ist verstorben. Ja, ich möchte sagen, wir kannten uns, auf eine unaussprechliche Weise. Es bedurfte nur der beidseitigen Aufmerksamkeit. Ich musste von der Zeitung aufblicken, er musste mich „finden“ in der überfüllten Berliner S-Bahn. Dann bekam er immer „sein Geld“.
  • Heute handele ich gendergerecht. Wer die Situation auf der Straße kennt, kann ahnen, dass Frauen besonders „schlecht dran“ sind. Meine Aufmerksamkeit beim Spenden gilt nun den Frauen.
  • Wir müssen tagtäglich kämpfen, nicht abzustumpfen. Das ist mein Auftrag. Und ich erfülle ihn nicht häufig gut. Weder gut für mein Gefühl, noch gut für den, der mit leeren Händen, so ungewaschen sie auch sein mögen, den Zug verlässt.

Für Moral oder ethisch vertretbares Handeln gibt es keinen objektiven Maßstab. Der Abwurf der Atombombe auf Hiroshima hat dieses Dilemma deutlich gemacht.

Freimaurer suchen die inhaltliche Auseinandersetzung. Sie findet im Stillen statt. Nicht laut tobend, streitend, sondern verständnisvoll der abweichenden Meinung gegenüber. Können wir das aushalten? Wir versuchen es und lernen, beobachten im Bruderkreis, wie sich andere öffnen, etwas Inneres preisgeben, das einen geschützten Raum benötigt. Das sind die Geheimnisse, die wir bewahren. Die Gefühle eines Bruders, der öffentlich nie darüber reden würde. Die Unsicherheiten, die jedem selbstkritischen Menschen unterlaufen. Dafür gibt es eine Arbeitsstätte, die wir „Tempel“ nennen. Die uns erlaubt, in uns zu schauen, um uns, und endlich auch über uns. Religiosität und Glauben können nicht erlernt werden. Es kann ihnen nur Raum gegeben werden, Ohren, die sich nicht verschließen. Nächstenliebe, Glauben und Hoffnung sind die Motivatoren für jeden Freimaurer. Welchen Weg er beschreitet, ist ihm überlassen. Irrwege werden durch andere Brüder minimiert. Ausgeschlossen sind sie niemals. Im Dunkeln übersieht man schon mal eine Wand, an der man sich die Nase blutig schlägt. Das fördert die Achtsamkeit. Und das Vertrauen in die Bruderschaft.

Lassen Sie mich zusammenfassen:

Die Freimaurerei hat Zukunft! Sie setzt auf die Eigenverantwortung des Menschen. Sie setzt auf ein friedvolles und respektvolles Miteinander.

Ja, wir respektieren zuerst die eigene Unvollkommenheit, im zweiten Schritt dann die des Anderen.

Damit können wir gelassen werden, Konflikte fair verhandeln und am Ende lächeln über das, was wir nicht verstehen und ändern können.

Lassen Sie uns gemeinsam nach mehr als 25 Jahren Mauerfall und Ende des „Kalten Krieges“ die „Freund-Feind-Bilder“ überwinden, das einfache Schwarz-Weiß-Denken farbiger gestalten. Tun wir etwas für unsere Gemeinschaft und das Gemeinwohl. Haben wir Mut zur Verantwortung. Suchen wir mehr die Chancen und Lösungen als die Konflikte und Probleme. Reden wir miteinander!
 
Es geschehe also!

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